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(Quelle: http://www.yeti-sounds.de/blumfeld3.htm)
Eine Zusammenfassung der Anfänge von Blumfeld bis 1999
"... So wird also Blumfeld doch allein bleiben, er hat nicht etwa die Gelüste ei- ner alten Jungfer, die irgendein untergeordnetes lebendiges Wesen in ihrer Nähe haben will, das sie beschützen darf, mit dem sie zärtlich sein kann, wel- ches sie immerfort bedienen will, so daß ihr also zu diesem Zweck eine Katze, ein Kana rienvogel oder selbst Goldfische genügen." ... Franz Kafka (1915).
"Laß' uns nicht von Sex reden" lautet ein Titel aus Blumfelds Debutalbum "Ich Maschine". U.a. der Tenor dieser ebenso lyrischen wie martialischen "Zigarette danach" war es, der das Erscheinen des ersten Blumfeld-Albums zu einem Pau- kenschlag in der deutschen Musikszene werden ließ. Der 'Mythos Blumfeld' war geboren. Das war 1992, und auch heute noch füllt keine deutschsprachige Band- formation das Niemandsland zwischen Traum und Wirklichkeit, Schmerz und Sehnsucht, Pathos und nackter Realität mit so eindrucksvollen musikalischen Bildern wie Blumfeld. Doch alles von Anfang an. Blumfelds eigentliche Wurzeln reichen weiter zurück, als man gemeinhin denkt. Blumfeld-Kopf Jochen Distel- meyer war, als die "Ich-Maschne" erschien, kein unbeschriebenes Blatt: Seit 1987 stand er mit dem zwei Jahre zuvor in Bad Salzufflen von Bernd Begemann ("Die Antwort") und Michael Girke gegründeten Label "Fast Weltweit" in engem Kontakt, erfuhr dort zusammen mit Frank Spilker (später: "Die Sterne"), Thomas Wenzel ("Die Bienenjäger", später: "Die goldenen Zitronen", "Die Sterne") und Bernadette Hengst (später: "Die Braut haut ins Auge") die erste musikalische Prägung. Distelmeyer heute über sich und seine musikalischen Anfänge bei "Fast Weltweit": "Ein Michael Girke / Bernd Begemann-Imitator auf dem Weg zu sich selbst." Erst später, nach einer Phase, in der sich Distelmeyer aus- schließlich mit Schreiben beschäftigte, sollte das alles anders werden: Als sich die Szene zu Beginn der 90er zunehmend in Hamburg sammelte, war das auch die die Geburtsstunde der Bandformation "Blumfeld", der neben Distelmeyer noch Andre Rattay und Eike Bohlken (beide vorher beim "Schwarzen Kanal") angehörten. Und ein neuer musikalisch Weg begann.
Blumfelds Aufbruch mit der "Ich-Maschine", der 1994 das Album "L' etat et moi" folgt, lebt von den gesprochen/gesungenen, meist mit harten disharmonisch- monotonen Gitarrenriffs einhergehenden Selbstreflektionen Distelmeyers. Die Dominanz des Wortes und das aprupte Schwanken zwischen lyrischer Textform und geradezu kompromißloser (umgangs)sprachlicher Direktheit sind im Frühwerk Blumfelds frappierend, für diejenigen, die Distelmeyer "Textlastigkeit" vorgewor- fen haben, schockierend. Andere haben Blumfeld dafür gefeiert. "Der Krieg findet statt, doch wer ist der Feind ?" Liebe, Sexualität und Gesellschaft werden hier zu Dämonen, zu etwas Fremdem, das in das Ich einzudringen droht. Ein Kampf, der mal in einer Spur von Hoffnung, meist aber in existenzieller Beklemmung endet: "Von der Unmöglichkeit Nein zu sagen, ohne sich umzubringen." Das Politische bleibt bei all der Innerlichkeit nur auf den ersten Blick außen vor, ist in Wirklich- keit, wie etwa in "l' etat et moi" deutlich wird, auch eines der Gespenster. Blum- felds Widerstand von Innen. Das ist Musik, die man eigentlich nur alleine hören kann, dann aber immer und immer wieder. Kunst, deren Textpart auch ohne musi- kalisches Drumherum bestand hat und ebenso als Lyrikband erscheinen könnte. Alles das hat Blumfeld zu einer Art Gardefigur der "Hamburger Schule" gemacht und in der Tat war und ist sein Einfluß auf andere deutschsprachige Bands groß.
Um so größer war dann auch der Aufschrei in der Szene, als die "Altmeister" die Welt letztes Jahr mit einem Pop-Album überrascht haben. So zumindest die gängi- ge Bezeichnung von "Old Nobody". Das hatte wirklich keiner erwartet. In der Tat liegen zwischen der "Ich-Maschine"/ "L' etat et moi" und "Old Nobody" Welten. Man kann Blumfelds Entwicklung wohl am besten mit dem Begriff der "Suche nach einer neuen Harmonie" greifen. Und zwar sowohl im musikalischen wie auch im inhaltlichen Sinne. Um denjenigen, die "Old Nobody" noch nicht kennen, die Spannung nicht zu nehmen, wollen wir all das hier aber nicht weiter ausführen. Nur soviel: Der Himmel ist nun wirklich etwas lichter geworden, die neue Hinkehr zu Melodie und Sphäre in "Tausend Tränen tief" gleich so gigantisch, daß Blumfeld (auf diesmal andere Weise) wiedermal neue deutsche Musikmaßstäbe setzen. An diesem Gesamtbild ändern dann auch die wenigen etwas "seichteren" in die Track- liste eingestreuten Titel (Musikpresse: "Von der Hamburger Schule zur Münchner Freiheit" etc.) kaum noch etwas. Letztendlich liegt die Lösung bei Blumfeld wohl doch wiedermal im Text. In "so lebe ich" heißt es: "im Selbstversuch / den Schmerz zu lindern / ein neuer Sound / ein neuer Sinn".
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